Auswärtsspiel in Sinsheim

Februar 5th, 2011

Nach längerer Planungsphase sollte zum Spiel bei der TSG Hoffenheim Fußball-Spielbetriebs GmbH eine Mottofahrt mit mehreren tausend Wendemützen stattfinden. So wurden eigens für das Spiel bei der Fußballhure insgesamt 3.000 Wendemützen produziert, deren Gewinn komplett in die Jugendabteilung des Vereins fließen wird.

Während die eine Seite der Mütze den Schriftzug “1.FC Kaiserslautern e.V” zierte, stand auf der anderen Seite in großen Lettern der Name unseres Stadions, “Fritz-Walter-Stadion”. Um allen Käufern die Hintergrundinformation der Mottofahrt zu vermitteln, publizierten wir bereits im Vorfeld einen Infotext, der über verschiedene Medien verbreitet wurde. Wichtig war uns den vielen FCK Fans nicht nur ein Produkt anzubieten, sondern dieses auch mit einer eindeutigen Botschaft zu verbinden, die dank mehrerer hundert Flyer hoffentlich bei allen Käufern angekommen ist.

Die Mützen erfreuten sich in der Fanszene hoher Beliebtheit, sodass bereits am Spieltag selbst im Entlastungszug und an einem extra eingerichteten Stand vor dem Stadion über 2.000 Mützen verkauft werden konnten. Im Stadion selbst ergab dies ein optisch geschlossenes Bild, da sich alle FCK Fans diszipliniert an die Aufforderung hielten in der Halbzeit die Seite der Mütze zu wechseln und vor allem fast jeder Fan im Stehplatzbereich eine der Mottomützen trug.

     

Wir werten die Aktion als Erfolg und sehen dies als weiteren Schritt die Fanszene des 1.FC Kaiserslautern e.V. ein Stück weit mehr zu einen. Die Restexemplare der Mützen gibt es an einem extra eingerichteten Stand neben dem Wagen des Fanprojekt´s Kaiserslautern beim Heimspiel gegen die Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA .

Wie uns zugetragen wurde, verklebten Unbekannte in der Nacht vor dem Spiel in Hoffenheim mehrere dutzend Plakate im Stadionumfeld, allen voran auf den Anreisewegen der Heimkunden. Die Hintergründe dieser Aktion waren und sind uns natürlich schleierhaft, sodass wir uns an dieser Stelle nicht explizit dazu äußern können.

Bild: www.roteteufel.de

Im Stadion präsentierten zu Spielbeginn schließlich einige uns nicht bekannte Personen einen Doppelhalter mit dem Konterfei von Dietmar Hopp und der Unterschrift “Wanted”. Wir vermuten stark dieses Abbild sollte die Gefahr deutlich machen, der der Fußball ausgesetzt ist, wenn ein Projekt wie Hoffenheim samt seines Mäzens Schule macht.

Nachfolgende findet ihr einen ausführlichen Text über Dietmar Hopp und das Projekt Hoffenheim. Diese sehr lesenswerte Ausarbeitung eines Gastschreibers war bereits in der “Unter die Haut” Ausgabe 44 abgedruckt, soll an dieser Stelle aufgrund des aktuellen Anlasses aber nochmals eure Beachtung finden:

Einmal Bundesliga – alla hopp
oder
der Finanz-Turbo aus dem Kraichgau

Auch wenn sich die Ereignisse rund um die TSG 1899 Hoffenheim seit dem Jahresende 2010 überschlagen und die Medien auch mal ein wenig kritischer das „Projekt“ hinterfragen, so bleibt dennoch viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Dieser Artikel soll dazu beitragen, dass Gebilde der TSG und dessen Hauptinvestor ein wenig besser zu verstehen.

Die Geschichte des „Wunders aus dem Kraichgau“

Wie konnte es dazu kommen, dass innerhalb von wenigen Jahren ein Dorfclub den Aufstieg in die erste Bundesliga schafft, Herbstmeister wird und sich im Mittelfeld der „stärksten Liga“ der Welt etabliert? Warum reiben sich so viele Fans von Traditionsclubs die Augen, wenn sie sich die Tabelle ansehen und warum werden die Anhänger der TSG als „Kunden“ beschimpft? Warum überrascht es Fans, wenn sie in deutschen Stadien zwar gegen Uli Hoeneß und Olli Kahn schimpfen dürfen, aber Dietmar Hopp besonderen Schutz bei der DFL und dem DFB genießt?

Um diese Fragen zu beantworten, sind zwei Dinge erforderlich. Einmal die Auseinandersetzung mit Dietmar Hopp, dem großen Investor bei der TSG Hoffenheim. Daneben sicherlich die zeitliche Abfolge der Ereignisse bis zum Aufstieg von Hoffenheim in die erste Bundesliga am 18. Mai 2008. Genau jenem 18. Mai 2008, der uns Fans des 1. FC Kaiserslautern als Wendepunkt einer Abwärtsspirale in die Herzen eingebrannt ist. An diesem Tag war das Ziel von Dietmar Hopp erreicht, die (mittlerweile so genannte) TSG 1899 Hoffenheim stieg mit einem Sieg gegen Greuther Fürth in die erste Liga auf. Das große Ziel, dass sich Dietmar Hopp gesteckt hatte, wurde erreicht. Jetzt kannte jeder den Dorfclub, Dietmar Hopp und seine blau-weiße Anhängerschaft. Jedem Fußballinteressierten war jetzt klar, wo Hoffenheim lag und wie toll doch die Dorfgemeinschaft ist. Fernsehspecials und Zeitungsartikel in allen Printmedien schossen wie Unkraut aus dem Boden. Eine Randnotiz war die Rettung eines Traditionsvereins aus der Pfalz zwanzig Minuten vor Ende der Saison.

Werfen wir die Zeitmaschine an und reisen zurück in das Jahr 1989 (manche Medien berichten vom Jahr 1991). Bleiben wir beim Jahr 1989. Dietmar Hopp hatte im Jahr zuvor zusammen mit seinen Geschäftsfreunden die SAP an die Börse gebracht und mit dem Versprechen, tolle Software zu bauen, Millionen gemacht. Ähnliches geschah ca. 10 Jahre später weltweit zig-fach und wurde zur größten Geldvernichtungsmaschine mit dem Namen „Dot-Com-Blase“, als sie im Jahr 2002 platzte.
Wie dem auch sei, die SAP AG aus Walldorf hatte sich mit Hasso Plattner, Klaus Tschira, Hans Werner Hector und Dietmar Hopp noch vier der ehemaligen fünf Gründer – Clauss Wellenreuther schied bereits früher aus – extrem erfolgreich als Anbieter von Standardsoftware für große und mittelständische Unternehmen etabliert und durch den Börsengang viel Geld in die privaten Schatullen der vier Herren gespült.

Dietmar Hopp jedenfalls musste miterleben, wie der Dorfclub seiner Heimatgemeine, die TSG Hoffenheim, in einem Relegationsspiel verlor und in die Kreisliga-A abstieg. Da Hopp in seiner Jugend in diesem Verein gekickt hatte, erinnerte er sich wohl an diesen Verein und beschloss, diesen zu unterstützen. Damals sicherlich nicht mit dem Ziel, eines Tages einen Bundesligisten aus dem Dorfclub zu machen. Mit 10.000 D-Mark sollten Bälle und Trainingskleidung gekauft werden. Also im Grunde genommen genau das, was tagtäglich in jedem der zig-tausend Amateurvereine in Deutschland passiert. Ein Unternehmer spendet ein wenig Geld, um in irgendeiner Art und Weise dem Club zu helfen oder sich selbst zu präsentieren.
Gehen wir heute mal davon aus, dass Dietmar Hopp kein Interesse daran hatte, eine Bande mit seinem Namen auf dem dörflichen Sportplatz zu erhalten, so war es tatsächlich eine Hilfe für einen heruntergekommenen Verein. Ein Verein, der 1899 als Turnverein gegründet wurde und im Jahr 1945 durch den Zusammenschluss mit dem Fußballverein zur TSG Hoffenheim wurde.
Im Jahr 1989 hatte Dietmar Hopp genügend Arbeit mit der Umsetzung der Versprechen, die anlässlich des Börsengangs der SAP im Jahr zuvor gegeben wurden. In den folgenden Jahren war die Unterstützung für den lokalen Dorfclub sicherlich sehr fair und auch die Absichten überhaupt nicht profitorientiert.

So ging es einige Jahre – ein Jahr Kreisliga-A, ein Jahr Bezirksliga, vier Jahre Landesliga, vier Jahre Verbandsliga, ein Jahr Oberliga und sechs Jahre Regionalliga. Es ging stetig aufwärts und Dietmar Hopp begann nach und nach mehr Geld in den Verein zu „spenden“. In machen Geschichten wird berichtet, dass er in all diesen Jahren mit einem Kleinbus und einigen Freunden zu den Spielen gefahren wurde. Also ein echter „Fan“ mit Auswärtserfahrung.
Im Jahr 1999 wurde das Dietmar-Hopp-Stadion in Hoffenheim mit einem Spiel gegen Bayern München und 5.000 Zuschauern eingeweiht. Der Golf-Fan Dietmar Hopp und sein Golf-Freund Franz Beckenbauer haben dieses Ereignis wohl eingefädelt.

Im April 2001 wird dann von Dietmar Hopp, zusammen mit Jürgen Klinsmann und Karl-Heinz Förster ein Konzept für die Jugendarbeit im Kraichgau vorgestellt. Auch hier investiert bzw. fördert Dietmar Hopp die gesamte Arbeit, damals jedoch bereits aus dem Vermögen einer seiner Stiftungen. Hier zeigte sich Dietmar Hopp als das, wie er gerne auch in den Medien tituliert wird, als Mäzen. Als Mäzen wird tituliert, wer als Mensch oder Institution andere Personen oder kommunale Einrichtungen mit geldwerten Mitteln unterstützt, ohne eine direkte Gegenleistung zu erwarten oder zu verlangen. Also ein Mensch, der anderen mit seinen finanziellen Mitteln hilft, ohne auf Profit zu hoffen.
Die Jugendarbeit wird in der Folgezeit noch oftmals im Zusammenhang mit dem „Projekt“ gebracht, ohne dass es tatsächlich einen Zusammenhang gab. Es wurmte Dietmar Hopp, dass aus den Jugendförderzentren Spieler zu anderen Mannschaften gingen und da, mehr oder weniger, erfolgreich waren.

Irgendwann im Jahr 2001 muss ihn ein Floh gebissen haben. Für die TSG Hoffenheim wird Hansi Flick, heute Co-Trainer von Jogi Löw, verpflichtet. Mit ihm gelingt auch gleich der Aufstieg der TSG in die Regionalliga Süd. Darüber hinaus wurden im Jahr 2002 mit Christian Möckel und Norbert Hofmann zwei ehemalige Bundesliga-Profis für den, bis dahin aus der Jugend der Region bestückten, Verein verpflichtet. Spätestens hier begann sich wohl Dietmar Hopp mit dem Thema „Erfolg muss erkauft werden“ auseinander zu setzen.
Als im Juli 2004 erstmals alle Spieler der TSG Hoffenheim zu Vollprofis werden, wurde endgültig der ursprünglich so ehrenwerte Pfad des Amateurfußballs verlassen.

Dass bei der TSG nur eine Richtung erlaubt ist und die ist aufwärts, muss dann 2005 auch Hansi Flick spüren. Obwohl mit einem Vertrag bis 2010 (!) ausgestattet, verlässt er im November nach einer Niederlage gegen den VfB Stuttgart II und akuter Gefahr, das Aufstiegsziel nicht zu erreichen, den Verein. Sein Nachfolger bis Mai 2006 wird Lorenz-Günter Köstner. Auch er tritt zurück, als der Aufstieg in die zweite Liga nicht geschafft wird, ebenso übrigens wie auch Karl-Heinz Förster, der seit 2005 als Berater für das „sportliche Management“ agierte.

Nun griff Dietmar Hopp erstmals richtig tief in die private Schatulle und definierte als Ziel die erste Liga. Nur so und nicht anders konnte er wohl im Juni 2006 Ralf Rangnick überzeugen, in die Provinz nach Sinsheim/Hoffenheim zu kommen und dort einen Regionalligisten zu trainieren. Rangnick, nach seinem Rauswurf bei Schalke 04 wohl ein wenig überrascht von einem Angebot für den Dorfverein. Neben Ralf Rangnick wurde auch noch Bernhard Peters als Direktor für Sport und Nachwuchsförderung verpflichtet. Etwas später stößt noch Hans-Dieter Hermann, bis dahin Psychologe der Nationalmannschaft, in das neu definierte „Kompetenzteam“. Interessant wird hier im Übrigen schon die Nähe zur Nationalmannschaft und auch zum DFB. Immer wieder wird auch eine starke Nähe von Dietmar Hopp zu Jürgen Klinsmann sichtbar, die alleine durch die Personen im Kompetenzteam und den entsprechenden Verknüpfungen in die Jugendarbeit verdeutlicht wird.

Noch im September 2006 wird dann auch, nach endlosen Debatten und viel Ärger im Umfeld, der endgültige Standort für den Stadionneubau des „Projekts“ gefunden. In unmittelbarer Nähe zum Technik-Museum Sinsheim, auf der gegenüberliegenden Seite der A6, wird die neue „Rhein-Neckar-Arena“ entstehen. Der Spatenstich erfolgte im Frühsommer 2007. Zu diesem Zeitpunkt ist die TSG gerade in die zweite Liga aufgestiegen.
Den Rest dieser Entstehungsgeschichte kennen viele aus der direkten Erfahrung. Das Spiel auf dem Dorfplatz, den „erkauften“ Erfolg in der zweiten Saisonhälfte 2007/2008, den so tollen Aufstieg und die Herbstmeisterschaft der Saison 2008/2009.

Der finanzielle Hintergrund und die Strukturen

Sicherlich erinnert sich noch jeder an das Interview mit Ralf Rangnick nach dem ersten Sieg in der ersten Bundesliga gegen Energie Cottbus, als er sagte, dass der Etat der TSG nicht höher sei, als der von Cottbus. Jeder, der sich in der Kunst des Lesens auskennt, kann Ralf Rangnick sehr schnell widerlegen. Es ist eine glatte Lüge, dass der Etat mit dem eines „normalen“ Bundesligisten identisch ist. Dazu bedarf es der Einsicht in die Bilanz und ein wenig Hintergrundwissen zu Begriffen, die hier und dort in der Bilanz auftreten.

Daneben ist es sicherlich auch noch recht sinnvoll, die Zusammenhänge zwischen dem Verein und der, im Februar 2005 gegründeten, Kapitalgesellschaft zu verstehen. Dazu sind die im Profi-Fußball bestehenden Strukturen, die von der DFL gefordert bzw. „gewünscht“ werden, zunächst zu verstehen.
Die DFL erfordert eine wirtschaftliche Ausrichtung der „Lizenznehmer“ mit dem Ziel, über eine gesamte Saison „liquide“ zu sein, also zahlungsfähig. Daneben gilt grundsätzlich das Prinzip der Gewinnorientierung. Genau dieses Prinzip verstößt zunächst einmal gegen das deutsche Vereinsrecht. Aus diesem Grund werden so genannte Kapitalgesellschaften gegründet, in denen der Profibetrieb eines Vereins ausgelagert wird. Diese Kapitalgesellschaft kann verschiedene Gesellschaftsformen besitzen. Eine Aktiengesellschaft (AG) wie sie beispielsweise in der Satzung des 1. FCK bereits beschlossen ist oder auch der FC Bayern betreibt – was nicht zwangsläufig bedeuten muss, dass die Aktien an der Börse gehandelt werden. Eine andere Form ist die Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA), hier als Beispiel Borussia Dortmund und als weitere Form eine schlichte Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH). Es gibt eine Reihe von weiteren Gesellschaftsformen für eine Kapitalgesellschaft, die hier genannten sollten jedoch für das Verständnis ausreichen.

Bei allen diesen Konstrukten werden Anteile vergeben. Anteile sind Besitznachweise am Stammkapital einer solchen Gesellschaft. Im Sinne von Aktiengesellschaften sind dies Aktien, im Sinne einer GmbH sind dies Gesellschaftsanteile. Nahezu in jeder dieser Formen sind Anteile in Geldwerten dargestellt. Eine Aktie wird oftmals mit einen „Nennwert“ von einem Euro versehen, wobei es auch andere Wertigkeiten geben kann.

Bei einer GmbH heißen diese Anteile nicht Aktien sondern schlicht und einfach „Anteile“. Im Rahmen der Lizenzbestimmungen wird bei der DFL oftmals auf die so genannte „50+1 Regel“ Bezug genommen. Hierbei wird festgelegt, dass bei einer Kapitalgesellschaft der ursprüngliche Verein (also der e.V.) immer mindestens 50% plus einen Anteil am Stimmrecht der Kapitalgesellschaft besitzen muss, um das klassische Investoren-Modell, wie es beispielsweise in England gerne praktiziert wird, zu vermeiden. Ein Investor kann also maximal 50% minus einen Anteil am Stimmrecht einer Gesellschaft besitzen. Bei einer Kapitalgesellschaft mit einer Million Stammkapital und einer Stimmrechtswertigkeit der Anteile in Höhe von einem Euro bedeutet dies, dass der e.V. 500.001 Stimmen und ein etwaiger Investor 499.999 Stimmen besitzen darf. Das wird überprüft und bei Verstoß durch die DFL bestraft. Im Normalfall bedeutet ein Stimmrechtsanteil auch einen Nennwert von einem Euro.

Soviel zunächst zu der „50+1 Regel“. Mit unserer Zeitmaschine reisen wir nun ein wenig weiter zurück. Durch sein Engagement bei der TSG Hoffenheim und seinem immer stärker werdenden Einfluß auf die Mitglieder des Vereins wird Dietmar Hopp eine erhebliche Empfehlungsmacht auf den Präsidenten des TSG Hoffenheim e.V. besitzen. Mit Sicherheit wird der Präsident, der durch Dietmar Hopp empfohlen und gewählt wurde, keinerlei Entscheidungen gegen Dietmar Hopp treffen. Somit war mit der Wahl eines Präsidenten aufgrund der Empfehlung von Dietmar Hopp für den Verein im Grunde der Weg für eine „Beherrschung“ der TSG Hoffenheim frei.
Zurück im Februar 2005 wird nun also die „TSG Hoffenheim Fußball-Spielbetriebs GmbH“ gegründet. Die GmbH wurde mit einer Million Euro Stammkapital ausgestattet. Die Besitzverhältnisse betragen 51% für den Verein (e.V.) und 49% für Dietmar Hopp. Ebenso ist Dietmar Hopp bis zum 12. August 2006 (!) als Geschäftsführer der GmbH eingetragen.

Hiermit sind die reinen Lizenzauflagen der DFL erfüllt. Der Verein besitzt mehr Stimmrecht als ein Investor. Somit wird die Kapitalgesellschaft, zumindest rein formell, noch vom Verein bestimmt. Faktisch ist das natürlich bereits bei der Gründung 2005 eine Farce. Dietmar Hopp hat mit dem juristischen Seziermesser die Schwachstelle der „50+1 Regel“ zerlegt und genau dort angesetzt. Das ist bei „Informatikern“ der alten Schule nun einmal so, dass man genau liest und definiert. Denn die tatsächliche Macht innerhalb des Vereins und der GmbH übt bereits damals Dietmar Hopp aus. Keine Entscheidung wird gegen seinen Willen getroffen worden sein, geschweige denn gibt es eine Selbstständigkeit der Entscheidungsträger.

Das nächste interessante Detail wird sichtbar, wenn die erste öffentlich einsehbare Bilanz betrachtet wird. Dort wird bereits für das Geschäftsjahr 2006 (Saison 2005/2006 = Regionalliga) eine „atypisch stille Beteiligung“ in Höhe von 903.044,09 Euro ausgewiesen.

Was genau ist eine „atypisch stille Beteiligung“?

Diesen Trick einer atypisch stillen Beteiligung haben ursprünglich einige „Abzocker“ genutzt, um Haftungsrisiken zu umgehen. Im Grunde ist ein „atypisch stiller Gesellschafter“ ein „Mitunternehmer“. Also per Definition ist die Gesellschaft, in diesem Fall eine Person, am Entscheidungsprozess beteiligt. Zahlreiche Institution warnen vor einer atypischen stillen Beteiligung, werden damit nicht nur staatliche Überwachungsfunktionen ausgeschaltet sondern auch noch steuerliche Änderungen herbeigeführt. Durch diese Form wird eine GmbH als „Personengesellschaft“ im Gewerbesteuerrecht behandelt.
Diese Beteiligungsform bezieht sich auch auf das Anlagevermögen. Bei Kapitalgesellschaften von Profi-Fußballvereinen ist das Anlagevermögen in erster Linie durch die Spieler bestimmt. Somit besitzen solche „atypisch stille Beteiligungen“ ein wesentliches Interesse an dem Anlagevermögen.

Die Entwicklung der Beteiligung von Dietmar Hopp

Diese „atypisch stille Beteiligung“ von Dietmar Hopp wurde dann im Geschäftsjahr 2007 (Saison 2006/2007) auf 18.130.128,70 Euro, also um mehr als 17 Millionen Euro angehoben. Und genau diese Summe fällt im Zusammenhang mit den Transfers der Saison 2007/2008 auf. Somit wird hier deutlich, dass am Ende der Saison 2006/2007, als der Aufstieg in die zweite Liga fest stand, Dietmar Hopp seine Privatschatulle öffnete, um Ralf Rangnick die Einkäufe zu ermöglichen, die letztlich den direkten Aufstieg in die erste Bundesliga ermöglichten. Dass diese Beteiligung genau zu diesem Zweck diente und erst am Ende der Saison erfolgte, wird durch den Kassenbestand, also den Kontostand, am Ende des Geschäftsjahres 2007 (30. Juni 2007) deutlich, werden hier doch noch knapp 16 Millionen Euro ausgewiesen.

Dietmar Hopp zahlte, neben den Einkäufen, auch noch für die Verluste. So war der Verlust im Jahr 2006 mit etwas über einer Million Euro für einen Regionalligisten extrem. Kein anderer Regionalligist kann sich einen solchen Verlust leisten. Dietmar Hopp glich diesen Fehlbetrag durch seine Beteiligung aus. Ebenso wurde in der Saison 2006/2007 das Stammkapital von 1 Million auf 2,5 Millionen Euro angehoben.

In der Bilanz des Jahres 2008 (Saison 2007/2008) wird erstmals auch eine Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) veröffentlicht. Da Bilanzen und GuV immer mindestens zwei Jahre beinhalten, um den Geschäftsverlauf zu zeigen, wird noch deutlicher, wie hoch bereits im Vorjahr (Saison 2006/2007 – Regionalliga) die Verluste tatsächlich waren. So wird für das Geschäftsjahr 2006/2007 ein Verlust von 9,7 Millionen Euro ausgewiesen, der durch Dietmar Hopp ausgeglichen wurde. Somit erscheint in der Bilanz „lediglich“ ein Verlust von knapp 900.000 Euro. In der Aufstiegssaison 2007/2008 betrug dieser Verlust bereits 18,3 Millionen. Davon wurden durch Dietmar Hopp knapp 17,5 Millionen Euro getragen. Somit verblieb damals ein bilanzieller Verlust in Höhe von wiederum knapp 870.000 Euro.

Ebenfalls in dieser Aufstiegssaison 2007/2008 wird eine weitere atypisch stille Beteiligung eingegangen. Und zwar mit der „Golf Club St. Leon-Rot Betriebsgesellschaft mbH“. Auch diese GmbH, eine die in erster Linie Investitionen betreibt, wird durch Dietmar Hopp geleitet. Die Höhe der eingelegten Beteiligung und übernommenen Verluste beträgt per 30. Juni 2008 bereits 65 Millionen Euro. Den Einsatz der „Golf Club St. Leon-Rot Betriebsgesellschaft mbH“ als weitere atypisch stille Beteiligung weist auf die deutliche Absicht von Dietmar Hopp, den Profi-Fußball als Investition zu betrachten. Diese Gesellschaft wird zwar in erster Linie zum Betrieb des Golfplatzes in St. Leon-Rot betrieben, hat jedoch zahlreiche Beteiligungen im Jahr 2008 betrieben. Hier wird sehr deutlich ein Investitionssystem umgesetzt.

Auch die Saison 2008/2009 war durch einen Verlust in Höhe von 16,5 Millionen Euro gekennzeichnet, der durch die „atypischen stillen Beteiligungen“ mit 16 Millionen Euro übernommen wurden. Daneben haben sich die Beteiligungen auf zwischenzeitlich sichtbare 45 Millionen bzw. zusammen mit den Verlustübernahmen, 90 Millionen Euro summiert. Um hier den Kreis zu dem Etat von Energie Cottbus eingangs noch einmal zu schließen, die Aufwände für Löhne und Gehälter der ersten Erstliga-Saison betrugen 29 Millionen Euro. Ob dieser Etat auch in der Lausitz so hoch ausgefallen ist, kann getrost bezweifelt werden.

Nach eigenen Aussagen im Rahmen der Turbulenzen rund um den Gustavo-Transfer im Dezember hat Dietmar Hopp in das „Projekt“ wohl ca. 270 Millionen Euro investiert. Hierin enthalten ist wohl auch der Bau des Stadions, das nach der Fertigstellung in einer eigenen Gesellschaft, der „TSG 1899 Hoffenheim Fußball-Besitzgesellschaft mbH & Co. KG“ übernommen wurde. Dort ist natürlich Dietmar Hopp Geschäftsführer.

Die Machtposition

Gegenüber offiziellen Berichten wird immer damit argumentiert, dass Dietmar Hopp an der TSG 1899 Fußball-Spielbetriebs GmbH lediglich 49% Stimmrecht besitzt.
Betrachtet man aber die Strukturen im Umfeld, also dem Verein und der GmbH, den atypischen Beteiligungen und dem Stadionbesitzer, so kann wohl nicht wirklich davon ausgegangen werden, dass Dietmar Hopp nur 49% bestimmt.

Neu ist zudem, offenbar seit dem Geschäftsjahr 2010/2011, dass die Kapitalgesellschaft der TSG einen Beirat besitzt, dessen Vorsitzender Dietmar Hopp ist. Ein Beirat bei einer GmbH ist in etwa gleichbedeutend mit dem Aufsichtsrat einer Aktiengesellschaft. Hier werden wesentliche Entscheidungen und Investitionen „beraten“ und beurteilt. Genau in dieser Funktion soll Dietmar Hopp, seinen eigenen Aussagen nach, letztlich ja auch in München den Gustavo-Transfer begleitet haben. Es gibt sicherlich innerhalb des gesamten Geflechts innerhalb des „Projekts“ keine Entscheidung, die nicht durch Dietmar Hopp beeinflusst werden kann. Daran scheiterte wohl auch am Ende Ralf Rangnick. Er musste wohl einsehen, dass er überhaupt keine Rolle spielt. Wenn der Golf-Club oder Dietmar Hopp Geld generiert sehen möchte oder Verluste reduzieren will, so wird halt eine Investition – im Fußball offenbar Spieler – verkauft. Daneben ist Dietmar Hopp dafür berüchtigt, dass er sehr nachtragend ist. Demba Ba ist offenbar ein Opfer genau dieser Eigenschaft.

Keinerlei Überraschung ist dagegen, dass die Überprüfung des Gustavo-Transfers durch die DFL zu keinen Verstößen gegen die 50+1 Regel geführt hat. Das gesamte Konstrukt ist durch die DFL schließlich Jahr für Jahr lizenziert worden. Weshalb soll sich jetzt etwas daran geändert haben?

Die Rolle der Medien

Wenn man Dietmar Hopp etwas eingestehen muss, dann ist das präzise Planung und strategische Denkweisen. In einem Artikel der „Zeit“ aus dem Jahr 2007 wird geschrieben, dass „aus dem Projekt Hoffenheim sehr schnell eine Lachnummer werden kann, wenn die Medien den millionenschweren Zukunftsverein mit Häme überschütten würden“. Dietmar Hopp kennt die Macht der Medien und hat seit Jahrzehnten gute Kontakte in die Medienwelt. Der Börsengang seiner SAP wurde durch die Medien erheblich unterstützt und nahezu alle Medienkonzerne in Europa setzen SAP als Software ein. Negative Aussagen sind da nicht sinnvoll, zumal SAP ein sehr namhafter Anzeigenkunde ist. Im Zweifel ist bei der Nähe von Dietmar Hopp zu den Mächtigen in Deutschland schnell mal eine vernichtende Aussage getroffen und der eine oder andere Verlag, der bislang nicht im Sinne des Herrn Hopp schrieb, wird etwas handzahm.

Wen wundert es, dass ausgerechnet „TV Digital“ der Hauptsponsor der Hoffenheimer wurde? Das Blatt vom Springer Verlag ist ein gutes Aushängeschild und wird als Werbepartner gerne wahrgenommen.
Der Springerverlag ist dann auch erheblich an dem „positiven Image“ des Vereins und seines „Mäzen“ – welch eine Lüge – beteiligt. Im Jahr 2008, nach dem Aufstieg in die erste Liga, findet man nur noch bei der „taz“ einen negativen Beitrag zum Projekt. Alle anderen Medien berichten durchweg positiv und sind wohl auf Verkaufszahlen bzw. Klickraten und Einschaltquoten ausgerichtet. Als bei dem Heimspiel der Hoffenheimer gegen Borussia Dortmund ein Fan der gelb-schwarzen einen Doppelhalter mit Zielkreuz und dem Konterfei von Dietmar Hopp hochhielt, war es die Springerpresse, die hieraus einen Mordversuch machte und in Folge die DFL zu einer „Lex-Hopp“ trieb. Die öffentliche Hetzkampagne gegen den Fan und die Fangesänge gegen Dietmar Hopp führten zu einer DFL-Regelung, dass keine Anfeindungen gegen Dietmar Hopp in den Stadien geduldet werden und Vereine mit Strafen bis zu Punktabzügen belangt werden können. Eine solche Einflussnahme der Medien auf die DFL und seine Gerichtsbarkeit ist bis heute einmalig.

Dietmar Hopp hat, durch seine Nähe zu Medien und Politikern, einen erheblichen Einfluss auf Strukturen. So ist die heutige Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger im Stiftungsbeirat der Stiftung „Pro Justitia“, einer Stiftung, die sich mit der Rechtstatsachenforschung beschäftigt. Die Stiftung wurde gegründet, nachdem gegen Dietmar Hopp eine Hausdurchsuchung durchgeführt wurde. Dabei ging es um den Verdacht, dass Dietmar Hopp mit Stiftungsgeldern für den Finanzdienstleister MLP gebürgt haben soll. Über die Vorgehensweise echauffierte sich Dietmar Hopp einmal über Anzeigen in der Presse und letztlich durch die Gründung der Stiftung „Pro Justitia“. Es wird schon deutlich, dass Dietmar Hopp seine eigene Sichtweise zu juristischen Prozessen hat.

Als im Jahr 2008 und 2009 Foren und Blogs nach kritischen Artikeln gegen Dietmar Hopp durchforstet wurden und entsprechende Unterlassungserklärungen gegen die Foren- und Blogbetreiber ausgestellt wurden, war auch dem letzten Kritiker klar, dass Dietmar Hopp eine „unantastbare Person“ in Deutschland darstellt. Seit dieser Zeit wird äußerst zurückhaltend und meist wohlwollend über Herrn Hopp und „sein Projekt“ berichtet. Selbst jetzt, nachdem einmal an der Oberfläche gekratzt wurde, wird sehr schnell wieder auf „gut Freund“ gemacht und alles als völlig korrekt abgehandelt.
Selbst die „kritischen“ Fans wurden durch einen Abend mit Dietmar Hopp wieder „auf Kurs“ gebracht. Wer sollte es auch mit einem solchen Profi aufnehmen?

Die Kastration des e.V.

Als letzte Anekdote ist die Änderung in der Satzung der TSG 1899 Hoffenheim e.V. zu betrachten, die im Dezember 2008 und Dezember 2009 verabschiedet wurde. Demnach sind nur „ordentliche Mitglieder“ stimmberechtigt, die vor dem 12. Dezember 2008 bereits Mitglied waren oder aber „natürliche Personen, die mindestens seit fünf Jahren förderndes Mitglied sind und mindestens seit fünf Jahren aktiv Vereinssport betrieben haben“. Das bedeutet, dass neue Mitglieder kein Stimmrecht im Verein besitzen und somit „Status Quo“ festgeschrieben wird. Diese Maßnahme wurde damit begründet, dass man eine „feindliche Übernahme“ durch Gegner des Projekts vermeiden wollte. Tatsächlich wird hier eine Struktur festgelegt, die sich nur dann verändert, wenn die „Altgedienten“ Mitglieder dem zustimmen. Dass sich jemals jemand gegen die Strukturen auflehnt, die von Dietmar Hopp vor Jahren etabliert wurden, kann getrost vergessen werden. Solche Beschränkungen im Vereinsrecht sind sicherlich nicht sehr oft anzutreffen.

Fazit

Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass es aus Mediensicht wohl kaum Widerstand gegen das Projekt geben wird. Darüber hinaus zeigt Dietmar Hopp, dass die DFL ihr 50+1 Konzept bereits heute mit Füßen tritt und offenbar, mit Ausnahme des FC Augsburg, noch kein weiterer Verein das Prinzip verstanden hat, abgesehen von Leverkusen und Wolfsburg, sowie Rasenball Leipzig.
Im Grunde besteht das Projekt Hoffenheim, weil sich ein reicher Mann langweilte und wohl dachte, dass er sich mal ein neues Spielzeug basteln wollte. Die Mär vom Jugendförderer und Mäzen glauben wohl nur diejenigen, die entweder diesem Projekt als Kunde nachlaufen oder aber in einem Verlag arbeiten.

Dietmar Hopp besitzt aufgrund seines Status und seiner Bekanntheit extrem viele Kontakte in die Politik und zu den wichtigen Personen im deutschen Fußball. Zahlreiche Stiftungen sind mit hochkarätigen Namen aus dem deutschen Fußball besetzt und er selbst sitzt in zahlreichen Stiftungsräten. Alleine dadurch kann und wird Dietmar Hopp immer Einfluss auf die Entscheidungen im deutschen Fußball nehmen. Sein Projekt wird sicher nicht von der Bildfläche verschwinden, wie es von tausenden Fans gewünscht wird. Es wird hofiert und man wird immer wohlwollend darüber berichten. Die Vergangenheit zeigt, wie heuchlerisch mit diesem Projekt umgegangen wird.
Solange die Traditionsvereine solche Plastikvereine schlagen können und die drei Punkte aus dem Kraichau entführen, solange dürfen wir uns freuen.